Jahrestagung der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche + Rechtsextremismus:Demokratien unter Druck – entschieden gegen den Rechtsruck


"Demokratien unter Druck – entschieden gegen den Rechtsruck“ – unter diesem Titel fand in Berlin-Wedding die Jahrestagung der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) und der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche + Rechtsextremismus (BAG K+R) statt. Beide Initiativen sind institutionell miteinander verbunden. Da die Akademie des Bistums Aachen seit Anfang des Jahres Mitglied der BAG ist, haben wir auch an der Jahrestagung teilgenommen.
Gleich zu Beginn machte Ilse Junkermann (ASF-Vorsitzende) in ihren Begrüßungsworten deutlich, dass sowohl der Plural im Titel bewusst gewählt ist, um die vielfältige Relevanz des Themas zu betonen, aber auch die Entschiedenheit gegen Rechtsextremismus aus dem Untertitel deutlich hervorgehoben werden soll.
Dr. Jakob Stürmann (stellvertretender ASF-Vorsitzender) zeichnete in seiner inhaltlichen Begrüßung ein kluges und differenziertes Bild davon, dass die Tagung am 9. Mai stattfand. Den leichten Weg, lediglich auf den 8. Mai zu rekurrieren, vermied er und legte differenziert dar, welche Herausforderungen durch aktuelle politische Vereinnahmungen des 9. Mai bestünden (z.B. russische Geschichtspolitik und Verehrung durch prorussische Anhänger:innen an Berliner Denkmälern der Sowjetunion am 9. Mai), aber welche Chancen sich eben auch bieten, sich diesen Anfragen zu stellen. Daher sei es gut, an genau diesem Tag die Auseinandersetzung mit diesem Thema zu suchen. Damit war schon zu Beginn der Ton für eine differenzierte, kluge und anregende Veranstaltung gesetzt.
Der Vormittag war inhaltlich geprägt von Diskussionen, die der Entschiedenheit gegen den Rechtsextremismus Ausdruck verliehen. Zuerst gaben vier ASF-Freiwillige bzw. Mitarbeiterinnen in kurzen biographischen Schlaglichtern "Stimmen gegen Rechtsextremismus" Raum und leiteten damit in die inhaltliche Auseinandersetzung über. Die persönlichen und individuellen Geschichten wurden in einem fast zweistündigen Podium abstrahiert und vielfältig diskutiert: "Rechtsruck und Fake News überall? Mutig und engagiert für Demokratie, Solidarität und Vielfalt." Unter der Moderation von Jasmin Brock, Journalistin beim Bayrischen Rundfunk, diskutierten:
- Anstasia Tikhomirova, Journalistin und Redakteurin im Politikressort von DIE ZEIT,
- Max Schneller, Content-Creator (maximal.demokratisch) und Influencer für Demokratie aus Sachsen-Anhalt,
- Dr. Claudia Jetter, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität zu Berlin und Expertin für christliches Influencing,
- Susanne Brandes, stellvertretende Geschäftsführerin bei der Katholischen Erwachsenenbildung Sachsen-Anhalt e.V. und Leiterin des Projekts „Kirche für Demokratie. Verantwortung übernehmen – Teilhabe stärken“.
Die Diskussion auf dem Podium reichte vom Einfluss von russischen Bots auf Social Media bis zu den bedrohlichen Umfrageprognosen der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und den Realitäten politischer Bildungsarbeit dort. Gleichzeitig war es allen Diskutant*innen wichtig zu betonen, dass Fatalismus keine Lösung ist. Ganz im Gegenteil betonten alle vier insbesondere die positiven Momente und riefen dazu auf, auch mutmachende Geschichten zu erzählen, solche Nachrichten zu verbreiten und nicht den Abstiegsnarrativen zu folgen, die von Populisten gestreut würden.

Nach dem Mittagessen gab es in zwei Workshop-Slots die Möglichkeit, sich in kleineren Gruppen intensiver mit einem spezifischen Thema auseinanderzusetzen. Das Spektrum reichte von politischer Verfolgung in Belarus über türkischen Rechtsextremismus in Deutschland und der Frage nach Antisemitismus in der Debatte um Schwangerschaftsabbrüche – historische und zeitgenössische Betrachtungen bis hin zu rechtsextremen Jugendgruppen und Methoden der Bildungsarbeit aus dem Anne Frank Haus Amsterdam.
Den künstlerischen Abschluss und gleichzeitig das Highlight des Tages bildete am Abend ein exklusives Konzert mit Sebastian Krumbiegel. Der Gründer und Frontmann der Leipziger Band "Die Prinzen" schuf am Klavier mit seiner Musik besondere Momente zum Abschluss der Tagung und setzte einen einzigartigen Schlusspunkt.
Gerahmt wurde das Programm durch spannenden Austausch und gute Gespräche mit Kolleg:innen und Engagierten. Für uns als neues Mitglied der BAG war die Jahrestagung eine äußerst positive Veranstaltung, die gezeigt hat, dass wir als Akademie in diesem Netzwerk genau richtig sind, wir gerne zu weiteren Veranstaltungen fahren und uns weiter einbringen wollen. Mit frischer Energie und neuem Antrieb bin ich aus Berlin in die Akademie zurückgekehrt.