Bericht der FSJ-lerin von der Seminarfahrt im Rahmen des Freiwilligen sozialen Jahres Politik:Extremismus und seine verborgenen Codes

In der letzten Februarwoche nahm ich im Rahmen meines Freiwilligen Sozialen Jahres im politischen Leben (FSJ-P) an meiner dritten Seminarwoche zum Thema "Extremismus" teil. Dabei habe ich sehr viel gelernt, was ich auch in meine Einsatzstelle, die Akademie, mitnehmen kann.
Im Laufe meines Freiwilligendienstes ist es von meiner Trägerorganisation (ijgd) vorgesehen, dass wir FSJler:innen an fünf Seminarwochen teilnehmen. Von diesen dürfen wir drei Wochen inhaltlich selbst gestalten, dazu gehörte auch diese Woche.
Meine Gruppe hat sich dazu entschieden, das Thema "Extremismus" genauer zu betrachten.
Bereits auf unserer Hinfahrt zum Seminarhaus nach Altenkirchen konnte meine Fahrgemeinschaft einige Wahlplakate (in Rheinland-Pfalz stehen am 22. März 2026 Landtagswahlen an) von Parteien entdecken, die in Teilen als extrem oder extremistisch gelten. Diese regten erste Gespräche zu unserem Seminarthema an, was sich jedoch nur als kleiner Vorgeschmack auf unsere bevorstehende Woche herausstellen sollte.
Während der Woche diskutierten wir einzelne Aspekte rund um das Seminarthema, die jeweils von kleinen Gruppen im Vorfeld vorbereitet worden waren. So starteten wir mit der Frage: "Was ist Extremismus?" Sehr theoretisch ging es los, die Unterschiede zwischen den Begriffen "Extremismus", "Populismus", "Radikalismus" und "Terrorismus" zu erarbeiten. Schnell fiel uns auf, dass die Begriffe im Alltag oft vermischt werden, jedoch unterschiedliche Bedeutungen haben.
Ganz im Stil der beliebten Kinder-Quizshow "1, 2 oder 3" konnten wir dann spielerisch und in lockerer Atmosphäre unser Wissen zu "Rechts-" und "Linksextremismus" testen. Leider ging bei der richtigen Antwort jedoch kein Licht an … Mir dafür häufig eins auf ;)
Linksextremismus
Daran anknüpfend ging es in der nächsten Einheit um "Linksextremismus". Die Vorbereitungsgruppe hatte nicht nur ein anonymisiertes Interview mit einer linksextremen Person geführt, das wir gemeinsam lasen. Sie ließ uns auch die Geschichte der RAF ganz kreativ erarbeiten, sodass am Ende unter anderem kleine Theaterstücke zu den verschiedenen Zeitabschnitten der Terrorgruppe entstanden sind.
Rechtsextremismus
Am nächsten Morgen war es dann an der Zeit, "Rechtsextremismus" zu thematisieren.
Anhand von verschiedenen Einzelfällen und Biografien analysierten wir zunächst Radikalisierungsprozesse in der rechtsextremen Szene. Ein Schwerpunkt lag auf den NSU-Gewalttaten sowie deren Aufklärung bzw. der Rolle des Verfassungsschutzes. Ein ernüchterndes, aber wirklich spannendes Thema.
Sprache und Symbole extremistischer Gruppen

Ein besonders interessanter Teil der Woche war für mich die Beschäftigung mit Sprache und Symbolik. Welche Codes nutzen extremistische Gruppen? Welche Zahlen, Emojis oder Zeichen haben eine politische Bedeutung, die Außenstehenden verborgen bleibt?
Für mich war vieles neu und ich konnte einiges von den anderen FSJler:innen lernen: So drücken Menschen, die den Holocaust leugnen, etwa mit dem Kugelschreiber-Emoji aus, dass sie die Echtheit der Tagebücher der Anne Frank anzweifeln. Sie beziehen sich auf die widerlegte Verschwörungstheorie, die Tagebücher seien gefälscht worden.
Oder die Kiwi wird als transfeindliches Symbol genutzt, aus der Überzeugung heraus, sie sei ein vermeintlicher Beweis für eine binäre Geschlechtereinteilung.
Natürlich ist bei Emojis vor allem der Kontext der Verwendung entscheidend. Trotzdem nutzen einige sie nicht nur als Zustimmungs- oder Zugehörigkeitssymbole, sondern auch, um gezielt menschenfeindliche, diskriminierende und auch falsche Botschaften zu verbreiten und sich durch die Codes vor Strafverfolgung zu schützen.
Weitere Erklärungen gibt es zum Beispiel im Beitrag "So erkennst Du geheime Codes von Rechtsextremen online" bei Campact e.V.
Seitdem sehe ich einige Graffiti auf der Straße und Emojis in den sozialen Medien mit ganz anderen Augen.
Am Donnerstagmorgen stand in der letzten inhaltlichen Einheit zu Extremismus die wichtigste Frage im Mittelpunkt: Wie kann gegen Extremismus vorgesorgt werden? In Kleingruppen schauten wir uns Ursachen an und erarbeiteten erste Ansätze für Präventionskonzepte.
Einen Schwerpunkt legte die Vorbereitungsgruppe dann auf den persönlichen Umgang mit extremistischen Äußerungen im direkten Umfeld. So diskutierten wir, wie wir auf den rein hypothetischen "Onkel Werner" bei der nächsten Familienfeier reagieren können.
Was mir besonders auffiel: Alle Teilnehmenden des Seminars halten politische Bildung, besonders für Kinder und Jugendliche, aber auch für alle Altersgruppen, für extrem wichtig (kein Wunder, dass wir uns für ein FSJ-Politik entschieden haben).
Aber natürlich kam bei all unseren Lerneinheiten auch der Spaß nicht zu kurz. Abends gab es einen Quiz-Abend, viele Runden "Werwolf" und einen gemeinsamen Billardabend, bei dem einige von uns mehr Glück hatten als andere.
Insgesamt komme ich aus dieser Woche mit viel neuem Input und schönen Erinnerungen zurück in die Akademie.