Europa und die Römischen Verträge: eine Geschichte mit kolonialen Verflechtungen

Ein Meilenstein der europäischen Integration jährt sich am 25. März 2027 zum 70. Mal: Die Bundesrepublik Deutschland, die Nachbarländer Belgien, die Niederlande, Frankreich und Luxemburg und Italien unterzeichneten in der italienischen Hauptstadt die Römischen Verträge.

Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957
© EC / EP © The Associated Press

Beschreibung

Mit ihnen gründeten sie die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EAG, Euratom), die sich einer Weiterentwicklung der zivilen Nutzung und Kontrolle der Atomenergie verpflichtete.

Vorausgegangen war 1951 die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, "Montanunion"). Die Römischen Verträge führten diese Zusammenarbeit fort, indem sie die wirtschaftlichen Aspekte verstärkten: Die EWG sollte einen gemeinsamen Markt schaffen und die wirtschaftliche Verflechtung der sechs Staaten vertiefen.

Doch die Römischen Verträge erzählen nicht nur europäische Aufbruchsgeschichte. In ihrem vierten Teil regelten sie die Anbindung der "überseeischen Länder und Hoheitsgebiete" an die EWG. Zu diesen Gebieten gehörten unter anderem damalige französische und belgische Kolonien in Afrika sowie niederländische und italienische Überseegebiete. Die europäische Einigung entstand damit auch im Zusammenhang mit kolonialen Herrschaftsverhältnissen und wirtschaftlichen Interessen, die über den europäischen Kontinent hinausreichten.

In heutiger Perspektive wächst das kritische Bewusstsein dafür, dass die europäische Einigung und die Sicherung des wirtschaftlichen Gelingens der Europäischen Union auf der Basis kolonialen Denkens gestaltet wurde. Die Gründung der EWG kann nicht unabhängig von der kolonialen Vergangenheit und Gegenwart ihrer Mitgliedstaaten betrachtet werden. Was bedeutet dieses historische Erbe für eine europäische Integrationsarbeit in einer Welt, die sich 60 Jahre weitergedreht und den Blick auf die südliche Hemisphäre gewandelt hat?

Der Abend nimmt die Entstehungsgeschichte der Römischen Verträge in den Blick und verbindet sie mit einer post- und dekolonialen Perspektive der Gegenwart. Er öffnet Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit den Anfängen der europäischen Einigung und die Frage, wie eine europäische Zukunft gestaltet werden kann, die ihre kolonialen Verflechtungen nicht ausblendet.

Kosten

14,50 €  / 9,50 €* Tagungsbeitrag**

* Die Ermäßigung gilt für Schüler:innen, Studierende und Auszubildende (bis zur BAföG-Fördergrenze, das Studium oder die Ausbildung wurde also vor Vollendung des 45. Lebensjahres begonnen), Bundesfreiwilligendienste sowie Empfänger:innen von Grundsicherung und Arbeitssuchende. Bitte legen Sie einen Nachweis zu Beginn der Veranstaltung vor.

Den Tagungsbeitrag zahlen Sie bitte bei Ankunft an der Rezeption, bar oder per EC-Karte (keine Kreditkarten).