„Friede auf Erden“ verkünden die Engel den Hirten bei der Geburt Jesu und meinen damit einen anderen Frieden als die "pax romana" (den "Römischen Frieden"), den Kaiser Augustus im Rom ausgerufen hatte.
Als das Weihnachtsevangelium etwa 70 Jahre nach der Geburt Jesu aufgeschrieben wird, liegt die Stadt Jerusalem, "Stadt des Friedens", liegt auch der Tempel in Schutt und Asche, zerstört im Krieg gegen die Römer.
Im alten Orient war es Aufgabe des Herrschers, für Frieden zu sorgen. Das bedeutete mehr als die Abwesenheit von Krieg: Frieden waren gute Lebensverhältnisse, Durchsetzung von Recht und Gerechtigkeit, Fruchtbarkeit der Felder und die Abwehr jeglicher Bedrohung.
Das Gebiet von Judäa und Samaria ist die Region, in der sich überwiegend abspielt, wovon die Bibel erzählt. Gerade sie litt aufgrund ihrer geographischen Lage zwischen den Großmächten unter deren zentralistischen Herrschaftsvorstellungen. Umso intensiver träumten die Menschen dort von einem allumfassenden Weltfrieden der Völker und für jeden einzelnen Menschen. „Und ein jeder sitzt unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum“: Der Vers aus dem Buch Micha (4,4) beschreibt die ultimative Vorstellung von Ruhe, Frieden und Wohlstand.
Das Seminar begibt sich auf Spurensuche in den Alten Orient – nach Mesopotamien, nach Ägypten, in das Alte Testament und in die frühe christliche Gemeinschaft. Was meinen Herrscher, wenn sie Frieden versprechen? Was erhoffen sich die Menschen? Was erhofft sich die junge christliche Gemeinde inspiriert von den Ideen Jesu.