Künstliche Intelligenz verspricht Wissen, Effizienz und immer neue Möglichkeiten. Gleichzeitig wächst die Vorstellung, der Mensch könne mit Hilfe von Technologie seine eigenen Grenzen überwinden. Doch was bedeutet das für unser Verständnis vom Menschsein und für Religion?
In seinem Buch Gott 2.0. Grundfragen einer KI der Religion fragt der Religionsphilosoph Ahmad Milad Karimi, wie Künstliche Intelligenz Glauben, Spiritualität und unser Menschenbild verändert. Besonders kritisch setzt er sich mit der Idee auseinander, menschliche Unvollkommenheit müsse technisch überwunden werden.
Karimi stellt dieser Vorstellung eine andere Perspektive entgegen: Vielleicht sind gerade Verletzlichkeit, Zweifel, Begrenztheit und Unvollkommenheit keine Fehler des Menschen, sondern wesentliche Bestandteile unseres Menschseins.
Im Podiumsgespräch geht es deshalb um grundlegende Fragen: Kann eine KI glauben? Was unterscheidet menschliches Denken von maschineller Berechnung? Warum fasziniert uns die Idee einer immer leistungsfähigeren KI? Und welche Rolle können Religion und Theologie in einer zunehmend technisierten Welt spielen?
Ahmad Milad Karimi studierte Philosophie und Islamwissenschaft an der Universität Darmstadt, Neu-Delhi und Freiburg i.Br.; er wurde 2012 mit einer Arbeit über Hegel und Heidegger an der Universität Freiburg promoviert. Er ist Leiter der Forschungsstelle Theologie der Künstlichen Intelligenz an der Universität Münster. Der Autor einer deutschsprachigen Koran-Übersetzung ist zugleich Schriftsteller und Publizist, u. a. moderierte er von 2021-2025 die Sendung „Sternstunde Religion“ im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). 2015 erhielt er für sein Werk "Hingabe" den Rumi-Preis für Islamische Studien. 2019 erhielt er den Voltaire-Preis für „Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz“ der Universität Potsdam, den Deutschen Dialogpreis in der Kategorie „Wissenschaft und Bildung“ des Bundes der Deutschen Dialoginstitutionen und 2024 den Manfred-Görg-Preis für religionsgeschichtliche Forschung und interreligiösen Dialog.