Besuch im Museum Vieille Montagne in Kelmis

Leben im "Niemandsland"

Wozu gehört welches Gebiet? Wie ganz Europa, erlebte auch das Grenzgebiet im Dreiländereck von Deutschland, den Niederlanden und Belgien viele Verschiebungen. Ein kleiner Ort mit einer großen Geschichte: Neutral-Moresnet ist historisch weltweit ein politisches Unikum, ein Kuriosum europäischer Geschichte und ein menschliches Abenteuer. Wie lebte es sich im Niemandsland? Wäre dieses Konstrukt heute ein lohnendes Projekt zur Verständigung?

Museum Vieille Montagne, Kelmis
© Romaine

Beschreibung

Das Museum im Göhltal (niederländisch Geuldal, französisch Vallée de la Gueule) wurde in einer ehemaligen Fabrikantenvilla eingerichtet. Für den Standort Moresnet diente es von 1910 an als Direktionsgebäude der Vieille-Montagne GmbH. „Vieille Montagne“ steht für die internationale Bedeutung der Kelmiser Geschichte: Der Name bezeichnet gleichermaßen eine Mine (Altenberg) für die Messingproduktion, ein grenzüberschreitendes Grubenfeld und eine internationale Aktiengesellschaft. Heute ist dieser Ort ein eindrucksvoller Zeuge dieser Entwicklungen. 

Schon im Mittelalter wurde Galmei am Altenberg in Kelmis abgebaut, um Messing herzustellen. Nach den Niederlagen Napoleons 1813 und 1814 nahmen die Alliierten eine Neugliederung Europas vor. Über das knapp 350 Hektar (3,4 Quadratkilometer) kleine Gebiet konnte man sich wegen seiner begehrten Bodenschätze im Jahr 1815 nicht einigen. Mit seinem dreieckigen Grundriss vom heutigen Dreiländerpunkt bis zur Ortsmitte von Kelmis war es im wahrsten Sinne des Wortes ein „Tortenstück“. Neutral-Moresnet wurde neutrales Gebiet und sollte es hundert Jahre lang bleiben. Ein einzigartiges politisches und soziales Experiment zwischen Schmugglernest, Bergbaustätte und europäischer Utopie, nicht zuletzt mit dem abenteuerlichen Vorhaben, Neutral-Moresnet zum Esperanto-Staat zu machen.

Im Ersten Weltkrieg wurde das Gebiet wie Belgien von Deutschland besetzt und im Vertrag von Versailles 1919 in das belgische Königreich eingegliedert.

Die Museumsführung beschreibt anhand der Dauerausstellung:
  • Was ist so besonders am Galmei, der dem Ort Kelmis (La Calamine) den Namen gab?
  • Wie ist das politische Unikum „Neutral-Moresnet“ entstanden?
  • Warum liegt Zink aus Kelmis auf den Dächern in Paris?
  • Wie war das Leben um die Grube herum? 
  • Wie lebte es sich im umstrittenen Gebiet?
  • Welche Einzelschicksale lassen sich heben, welche Alltagsgeschichten erzählen, welche Mythen und „Fake News“ aufdecken?
An die Führung im Museum schließt sich ein ebenfalls geführter Rundgang an, der bis zum Naturschutzgebiet rund um den Casinoweiher reicht. Hier erzählt die Natur von giftigen Tümpeln, Abraumhalden und zeigt im April besonders reich die seltene Galmei-Flora.

Organisatorisches

Die Führung im Museum dauert 60 Minuten, daran schließt sich der Rundgang von etwa 45 Minuten an. Die Streckenlänge des Rundgangs beträgt 0,8 km. 

Barrierefreiheit

Das gesamte Museum ist barrierefrei und kann problemlos mit einem Rollstuhl oder Rollator befahren werden (Museumsgebäude, Toiletten und Parkplatz). Es verfügt über einen Aufzug und zehn mobile Stühle, die als Sitzgelegenheit und Gehhilfe verwendet werden können.

Das Außengelände des Museums und der Weg rund um den Casinoweiher sind nicht barrierefrei.

Hinweise
  • Essen und Getränke sind in den Ausstellungsräumen nicht zugelassen.
  • Rucksäcke und Taschen sind im Museum nicht zugelassen. Es stehen Schließfächer zur Verfügung.
  • Tiere (außer Begleithunde) haben keinen Zugang zum Museum.

Kosten

6,50 € / 6,00 €* 

* Die Ermäßigung gilt für Schüler:innen, Studierende und Auszubildende (bis zur BAföG-Fördergrenze, das Studium oder die Ausbildung wurde also vor Vollendung des 45. Lebensjahres begonnen), Bundesfreiwilligendienste sowie Empfänger:innen von Grundsicherung und Arbeitssuchende. Bitte legen Sie einen Nachweis zu Beginn der Veranstaltung vor.

Bitte bringen Sie den Betrag möglichst passend mit.