Das Museum im Göhltal (niederländisch Geuldal, französisch Vallée de la Gueule) wurde in einer ehemaligen Fabrikantenvilla eingerichtet. Für den Standort Moresnet diente es von 1910 an als Direktionsgebäude der Vieille-Montagne GmbH. „Vieille Montagne“ steht für die internationale Bedeutung der Kelmiser Geschichte: Der Name bezeichnet gleichermaßen eine Mine (Altenberg) für die Messingproduktion, ein grenzüberschreitendes Grubenfeld und eine internationale Aktiengesellschaft. Heute ist dieser Ort ein eindrucksvoller Zeuge dieser Entwicklungen.
Schon im Mittelalter wurde Galmei am Altenberg in Kelmis abgebaut, um Messing herzustellen. Nach den Niederlagen Napoleons 1813 und 1814 nahmen die Alliierten eine Neugliederung Europas vor. Über das knapp 350 Hektar (3,4 Quadratkilometer) kleine Gebiet konnte man sich wegen seiner begehrten Bodenschätze im Jahr 1815 nicht einigen. Mit seinem dreieckigen Grundriss vom heutigen Dreiländerpunkt bis zur Ortsmitte von Kelmis war es im wahrsten Sinne des Wortes ein „Tortenstück“. Neutral-Moresnet wurde neutrales Gebiet und sollte es hundert Jahre lang bleiben. Ein einzigartiges politisches und soziales Experiment zwischen Schmugglernest, Bergbaustätte und europäischer Utopie, nicht zuletzt mit dem abenteuerlichen Vorhaben, Neutral-Moresnet zum Esperanto-Staat zu machen.
Im Ersten Weltkrieg wurde das Gebiet wie Belgien von Deutschland besetzt und im Vertrag von Versailles 1919 in das belgische Königreich eingegliedert.
Die Museumsführung beschreibt anhand der Dauerausstellung:
- Was ist so besonders am Galmei, der dem Ort Kelmis (La Calamine) den Namen gab?
- Wie ist das politische Unikum „Neutral-Moresnet“ entstanden?
- Warum liegt Zink aus Kelmis auf den Dächern in Paris?
- Wie war das Leben um die Grube herum?
- Wie lebte es sich im umstrittenen Gebiet?
- Welche Einzelschicksale lassen sich heben, welche Alltagsgeschichten erzählen, welche Mythen und „Fake News“ aufdecken?
An die Führung im Museum schließt sich ein ebenfalls geführter Rundgang an, der bis zum Naturschutzgebiet rund um den Casinoweiher reicht. Hier erzählt die Natur von giftigen Tümpeln, Abraumhalden und zeigt im April besonders reich die seltene Galmei-Flora.