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Im Gespräch mit Oberst a.D. Wolfgang Richter:Braucht Deutschland eigene Mittelstreckenraketen?

Gefahren, Chancen und Risiken aus sicherheitspolitischer und militärtechnischer Sicht: „Angesichts der neuen Bedrohungslage geht es um die Frage: Wie schrecken wir effektiv ab?“ (Verteidigungsminister Boris Pistorius).
Eine Standard Missile-3 (SM-3) wird von der USS Lake Erie (CG 70) während eines Tests der Missile Defense Agency und U.S. Navy abgefeuert.
Datum:
Mittwoch, 28. Oktober 2026 18:30 - 20:00
Art bzw. Nummer:
A# 665
Von:
Kooperation der Evangelischen Stadtakademie Aachen mit der Akademie des Bistums Aachen
Ort:
Haus der Evangelischen Kirche
Frère-Roger-Straße 8-10
52062 Aachen

Nach der deutlichen Aufrüstung auf russischer Seite beschloss die NATO, ab 2026 US-Tomahawk-Marschflugkörper auf deutschem Boden zu stationieren. Diese sollten solange hier stationiert bleiben, bis die europäischen Partner in wenigen Jahren eigene Mittelstreckenraketen entwickelt hätten. Diese Entscheidung sollte ein zentrales Element der Abschreckung sein. Der aktuelle US-Präsident hat sie rückgängig gemacht. Deutsche Regierungsvertreter:innen sprechen von einer Sicherheitslücke und erwägen die eigenständige Beschaffung landgestützter Mittelstreckenraketen für Deutschland.

Doch ist das wirklich der richtige Weg, um in Europa Frieden zu sichern? Kann ein solcher Plan als Provokation aufgefasst werden und die Situation eher eskalieren lassen? Aus guten Gründen ging die Bevölkerung in den 1980er-Jahren mit Massenprotesten gegen die Stationierung der Pershing-II-Atomraketen auf die Straße.

Oberst a.D. Wolfgang Richter beleuchtet die sicherheitspolitischen und militärtechnischen Hintergründe einer solchen Entscheidung und die Gefahr, die daraus speziell für Deutschland entsteht. Er fordert: Eine solch schwerwiegende Entscheidung, die Sicherheit der Bundesrepublik betreffend, darf nicht ohne vorherige ausführliche Diskussion im Deutschen Bundestag und in der Öffentlichkeit getroffen werden. Er sieht in einer "strategischen Autonomie" für Europa ein lohnenswertes Ziel. Dies sollte jedoch neben Waffensystemen auch Diplomatie beinhalten. Daher plädiert er dafür, den Sicherheitsdialog mit Russland wieder zu eröffnen und auch über Rüstungskontrolle zu verhandeln.

Vortrag und Diskussion knüpfen an die aktuelle Lage im Oktober 2026 an.

Organisatorisches

Veranstalterin

Evangelische Stadtakademie Aachen in Kooperation mit der Evangelischen Akademie im Rheinland und der Akademie des Bistums Aachen

 

Leitung 

Gunhild Großmann, Evangelische Stadtakademie Aachen 

Katrin Rieger, Akademie des Bistums Aachen, Studienleiterin

 

Referent

Wolfgang Richter ist deutscher Oberst außer Dienst und Associate Fellow beim Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik. In den 1990er-Jahren war er u.a. Leiter des militärischen Anteils der deutschen Delegation für die globale Rüstungskontrolle bei den Vereinten Nationen in Genf und New York. Bis 2005 diente er als Abteilungsleiter beim Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr in Geilenkirchen und war bis 2009 Leiter des militärischen Anteils der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der OSZE.

Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst übernahm er bis 2022 eine Stelle bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Zu seinen Forschungsfeldern gehörten Rüstungskontrolle, Sicherheitskooperation, Internationales Völkerrecht und Konflikte in Europa.

 

Kosten

Diese Veranstaltung können wir Ihnen kostenfrei anbieten. 

 

Anmeldung 

Eine Anmeldung ist nicht notwendig.