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Reihe „Theologische Seiteneingänge“:Untröstlichkeit

In gegenwärtigen Debatten über koloniale Gewalt und Erinnerungskultur spielen die Motive der Heilung und Versöhnung eine zentrale Rolle: historische Wunden sollen geschlossen, Traumata überwunden, Vergangenheit "bewältigt" werden. Doch was, wenn gerade diese Sehnsucht nach Heilung und Trost politisch nicht unschuldig ist?
Ausgehend von einem Fallbeispiel aus dem Belgischen Afrika-Museum (einer neu geschaffenen Statue, die koloniale Gewalt durch ein Bild von "neuem Leben" und Resilienz zu überschreiben scheint) fragt der Vortrag nach den politischen und theologischen Implikationen solcher Heilungsnarrative. Im Dialog mit postkolonialer Traumaforschung und aktuellen Debatten um Schuld und Erinnerung wird deutlich: Die Sehnsucht nach Heilung und Trost ist politisch ambivalent. Sie kann Ausdruck von Widerstand und Hoffnung sein, wenn sie von jenen artikuliert wird, die koloniale Gewalt erlitten haben und weiterhin erleiden. Problematisch wird sie dort, wo sie von dominanten, privilegierten Positionen aus mobilisiert wird, um fortdauernde Mitverantwortung und Verstrickung in koloniale Gewaltverhältnisse zu verschleiern.
An dieser Stelle kann Max Czolleks Begriff der Untröstlichkeit neue Denk- und Handlungwege aufzeigen: Gegenüber allzu vorschnellen Erlösungsphantasien plädiert er für das Aushalten von Schuld, Verletzung und Nicht-Abgeschlossenheit und weist so den Weg für eine ethische und politische Haltung, die einen verantwortungsvollen Umgang mit - und inmitten von - historischer Gewalt eröffnet. Theologisch neu gelesen, bietet diese Zumutung eine kritische Perspektive auf vertraute Motive von Kreuz, Auferstehung und Heil. Sie irritiert bewusst gängige Erwartungen an Trost und Versöhnung.
Theologische Seiteneingänge
Die Reihe nimmt Zugänge zu theologischen Themen in den Blick, die in den Studien und der Literatur nicht zuoberst liegen. Daraus ergeben sich fruchtbare Einsichten für einen weiten Blick dieser Disziplin.
Organisatorisches
Veranstalterinnen
Akademie des Bistums Aachen
Leitung
Dr. Angela Reinders, Akademie des Bistums Aachen, Direktorin
Referentin
Judith Gruber, Dr. theol., Professorin für Systematische Theologie an der KU Leuven, Belgien, Schwerpunkt: Dialog zwischen katholischer Theologie und kritischen Kulturtheorien.
Kosten
8,00 € / 4,00* Tagungsbeitrag
Nach der Veranstaltung erhalten Sie eine Rechnung.
Anmeldung
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Akademie des Bistums Aachen
Leonhardstraße 18-20
52064 Aachen
Anmeldefrist: 02.05.2026
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