Es begann mit einem Geburtstagsständchen. Das brachten diejenigen sich gegenseitig, die wie unsere Akademie in diesem Jahr einen (halb-)runden Anlass zum Feiern hatten oder noch haben. Wir wussten: Es kommen Menschen, die einander vorher nicht kannten. Daher hatten wir vorgesorgt und Kärtchen mit Fragen auf den Kaffeetafeln verteilt, damit ausreichend Gesprächsstoff vorhanden wäre. Das stellte sich als überflüssig heraus: Von unter fünf bis 85 Jahren kamen die Gäste sofort miteinander in ein intensives Gespräch.
Geburtstagskaffee zum Akademiejubiläum
Ich habe am Jubiläumskaffee teilgenommen. Ein nett gedeckter Tisch, leckerer Kuchen und eine lockere Atmosphäre haben die Veranstaltung schön abgerundet. Ein besonderes Geschenk war ein Foto mit einer Sofortbildkamera, dies hängt jetzt an meinem Kühlschrank.
Am Samstag begann der Abend mit einem Imbiss und einem Gespräch mit Luca Zamperoni. Der Schauspieler sprach darüber, wie es ist, von den Erfahrungen des Alltags für die Rolle im Fernsehen zu lernen. Es ging auch um die Schnelligkeit, mit der Information heute zugänglich ist, und darum, dass junge Menschen heute mehr wissen, als sie selbst erlebt haben. Auch die Bedeutung von Entscheidungen kam zur Sprache und damit die Frage, wie man damit umgeht, wenn sie sich im Nachhinein als falsch erweisen. Einen Satz zitierte Luca Zamperoni, der mit Blick auf die aktuelle Debattenkultur eine Hilfe sein kann: „Jeder Mensch hat ein Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten“, eine Maxime, die auf einen Satz des amerikanischen Börsenspekulanten und Politikberaters Bernard Baruch aus dem Jahr 1946 zurückgeht.
Luca Zamperoni/Foto: Frank Wartenberg
Kontrastprogramm bot anschließend das Konzert und die Party mit dem Lagerfeuer-Trio. Die Band stellte sich auf das Publikum ein: Im Raum Einhard gab es viel Gelegenheit mitzusingen, mitzutanzen, mitzufeiern. Anschließend ging die Party mit Musik unseres hauseigenen DJs und Studienleiters Oliver Reisen in die Verlängerung.
Ich fand das richtig gut, in unseren Akademieräumen eine so schöne Party mit so guter Musik feiern zu können.
Lagerfeuer-Trio
Der Festgottesdienst am Sonntag vereinte Akademiegäste und die Gottesdienstgemeinde im Aachener Dom, festlich gestaltet mit berührender musikalischer Mitwirkung der Mädchenkantorei. Die Leseordnung barg Stoff für den Bezug zur kirchlichen Akademiearbeit, sprach das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 18, Verse 15–20, doch von der Konfliktbearbeitung und der Zusage Jesu: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Generalvikar Jan Nienkerke entfaltete diese Bezüge gehaltvoll in seiner Predigt.
Vom Dom aus ging es in die Akademie und zum Festakt. Den feierlichen Ton setzte die in Aachen geborene Geigerin Katharina Blasel in Begleitung des Pianisten Rafael Theissen mit Werken von Elgar, Mendelssohn Bartholdy und Tschaikowski. Dem Grußwort von Generalvikar Jan Nienkerke schloss sich das der stellvertretenden Städteregionsrätin Karin Schmitt-Promny an, die an frühe eigene biografische Bezüge zur Akademie anknüpfte und die Bedeutung des Angebotes im Netzwerk der Bildungsträger in der StädteRegion betonte, aber auch mahnte, den Besuch der Akademieveranstaltungen auch für Menschen mit weniger finanziellen Möglichkeiten offenzuhalten.
Als Festredner gestaltete Dr. Johannes Sabel, Direktor des Franz-Hitze-Hauses, der Akademie des Bistums Münster, seinen Vortrag zur Grundidee und den aktuellen Herausforderungen einer Sozialakademie in zwei Teilen: einem Rückblick auf die Geschichte beider Akademien, die zum Teil parallel verlief, und einem inspirierenden Ausblick auf den Auftrag kirchlicher Bildungsarbeit heute. Er löste damit viel Resonanz aus, über die beim Fingerfood und Getränken noch intensiv gesprochen wurde.
Dr. Johannes Sabel, Franz Hitze Haus, Münster, Akademiedirektor
Was ist sozusagen „in der eigenen Küche“ zu tun? Was sollte die Politik anpacken? Welche Aufgaben haben schließlich Bildungsstätten, gerade eine kirchliche Akademie?
Mit diesen drei Fragen beschäftigten sich diejenigen, die am Nachmittagsworkshop teilnahmen. Er knüpfte an den Impuls des ehemaligen Aachener Oberbürgermeisters und früheren Vorsitzenden des Karlspreisdirektoriums, Dr. Jürgen Linden, an: Welchen Auftrag haben Stätten politischer Bildung und was folgt daraus?
Der Blick in den Nahbereich ist lohnend, so die einmütige Meinung, in die Familie, gerade zu den jungen Menschen, in die Nachbarschaft. Könnte es gelingen, das eigene, positive Narrativ der Zuversicht mutiger und genauso selbstbewusst zu erzählen, wie Heilsbotschaften einer großartigen technisierten Zukunft von den „Tech-Bros“ aus dem Umfeld des Silicon Valley verkündet werden?
Zum Glück sind alle, die referiert haben oder aufgetreten sind, pünktlich angekommen. Dann hatten sie alle etwas von den leckeren Kleinigkeiten, die wir ihnen backstage zum Essen hingestellt haben.
Der Abschlussabend des Akademiefests fiel mit den Momenten nach der Hochrechnung der ersten Wahlergebnisse zum Landtag in Sachsen-Anhalt zusammen. Wie damit umgehen? Das Programm bot eine Möglichkeit, sich in klugen Humor mit Lara Ermer zu retten. „Alle gegen alle“ scheint das Motto der Gesellschaft zu sein, so jedenfalls heißt das Buch, das die studierte Psychologin zum Thema verfasst hat. Doch obwohl selbst Ordnungskönigin Marie Kondo nicht mehr aufräumt, ist gar nicht so große Unordnung und Spaltung in der Gesellschaft, wie immer behauptet wird.
Das jedenfalls zeigen Studien, von denen die Comedienne viele gelesen hat. Mit hellwacher Perspektive hat sie die Wissenschaft treffsicherer treffsicher in ein Bühnenprogramm verwandelt, das vielen an diesem Abend das Herz ein wenig leichter machte.